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Friedrich-Ludwig-Museum in Wieslet präsentiert Felix Vallotton
Mit der ersten Ausstellung im
Jubiläumsjahr bringt das Friedrich-Ludwig-Museum in Wieslet einen großen Namen ins Kleine
Wiesental.
Felix Vallotton, Schweizer mit französischer Staatsbürgerschaft, ist einer
der wegweisenden Künstler der Moderne, der zu seinen Lebzeiten immer wieder
mit seiner Kunst Anlass zu Irritationen und Protesten wie zu vehementer
Begeisterung gab. Das Ludwig-Museum zeigt die 23 Farblithografien aus der
Reihe Crimes et Chatiments vom Beginn des vergangenen Jahrhunderts.
In seiner Begrüßungsansprache ging Hans Viardot auf die Vorgeschichte der
Ausstellung ein. Nach der ersten Ernst Schleith-Ausstellung 1993 hatte Gerd
Klaus Kaltenbrunner in einem Brief den Wiesleter Künstler in eine Reihe mit
Puvis de Chavannes, Edvard Munch und eben Felix Vallotton gestellt. Der
Verein KuK griff diesen Hinweis auf und Dank einer Leihgabe von Sigurd
Marien, dem Entdecker der verschollenen Bilder von Friedrich Ludwig, konnte
jetzt eine eigene Ausstellung mit einer Werkreihe von Felix Vallotton
organisiert werden. Den Bezug zu Ernst Schleith hatte Gerd Klaus
Kaltenbrunner in der akribischen, fast fotorealistischen Detailtreue beider
Künstler gesehen. In den Ansprachen zur Vernissage arbeiteten Hans Viardot
und Sigurd Marien weitere Bezüge heraus. Beide Künstler galten als
Einzelgänger und Eigenbrötler und litten zeitlebens unter ihrer
Beziehungslosigkeit zu ihrer Umwelt.

Sigurd Marien würdigte in seiner Ansprache Leben und Werk des Künstlers.
Felix Vallotton wurde 1865 in Lausanne geboren, ging aber schon 1892 nach
Paris und studierte wie Friedrich Ludwig an der Academie Julian. In den 90er
Jahren des 19. Jahrhunderts entdeckte er für sich den Holzschnitt, und in
der Folge die Farblithografie als eigenständiges künstlerisches Medium.
Seine Werke fanden schon früh große Aufmerksamkeit, wurden aber nicht von
allen in ihrem avantgardistischen Impuls gewürdigt. Der flächige,
impressionistische Stil, die zum Teil willkürlich wirkenden Bildausschnitte
und vor allem die von Vallotton aufgegriffenen Themen aus dem Alltagsleben
mit ihren drastischen Aussagen lösten immer wieder Befremden aus. In diese
Reihe gehören die jetzt im Ludwig-Museum gezeigten Lithografien Crimes et
Chatiments (Verbrechen und Strafen). Vallotton hatte immer einen wachen
Blick für die Unterdrückten und Unterprivilegierten. In dieser Reihe werden
anscheinend banale Szenen dargestellt, die Bilder erinnern zum Teil an
Karikaturen. Aber Vallotton offenbart in seinen Holzschnitten und
Lithografien einen Humor, dass einem das Lachen vergeht, wie Marien den
Kunstkritiker Julius Meier-Graefe zitierte. Auf den Blättern, auf denen
Vallotton häufig die Einsätze und Übergriffe der Polizei darstellt, bleibt
die Frage, wer hier Verbrechen begeht und wer Strafe verdient, durchaus
offen.
Hans Viardot freute sich über die zahlreichen Besucher, die zur Eröffnung
dieser außergewöhnlichen Ausstellung gekommen waren, unter ihnen
Amtsverweser Jürgen Tiedemann, Ortsvorsteher Heinz Eichin sowie Mitglieder
des Wiesleter Ortschaftsrates. Die musikalische Gestaltung der Vernissage
übernahm Michael Brogle, der mit Orgelwerken von Bach und Schröder
musikalisch den Weg Vallottons in die Moderne nachzeichnete.
Die Félix Vallotton-Ausstellung im Ludwig Museum hat bis Sonntag, 12.
April, immer sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
Bericht: Heiner Fabry; Bild: KUK
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