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Presse - Aktuell                       

Markgräfler Tagblatt - Bericht vom 26. Januar 2009

 
Friedrich-Ludwig-Museum in Wieslet präsentiert Felix Vallotton

Mit der ersten Ausstellung im Jubiläumsjahr bringt das Friedrich-Ludwig-Museum in Wieslet einen großen Namen ins Kleine Wiesental.

Felix Vallotton, Schweizer mit französischer Staatsbürgerschaft, ist einer der wegweisenden Künstler der Moderne, der zu seinen Lebzeiten immer wieder mit seiner Kunst Anlass zu Irritationen und Protesten wie zu vehementer Begeisterung gab. Das Ludwig-Museum zeigt die 23 Farblithografien aus der Reihe Crimes et Chatiments vom Beginn des vergangenen Jahrhunderts.

In seiner Begrüßungsansprache ging Hans Viardot auf die Vorgeschichte der Ausstellung ein. Nach der ersten Ernst Schleith-Ausstellung 1993 hatte Gerd Klaus Kaltenbrunner in einem Brief den Wiesleter Künstler in eine Reihe mit Puvis de Chavannes, Edvard Munch und eben Felix Vallotton gestellt. Der Verein KuK griff diesen Hinweis auf und Dank einer Leihgabe von Sigurd Marien, dem Entdecker der verschollenen Bilder von Friedrich Ludwig, konnte jetzt eine eigene Ausstellung mit einer Werkreihe von Felix Vallotton organisiert werden. Den Bezug zu Ernst Schleith hatte Gerd Klaus Kaltenbrunner in der akribischen, fast fotorealistischen Detailtreue beider Künstler gesehen. In den Ansprachen zur Vernissage arbeiteten Hans Viardot und Sigurd Marien weitere Bezüge heraus. Beide Künstler galten als Einzelgänger und Eigenbrötler und litten zeitlebens unter ihrer Beziehungslosigkeit zu ihrer Umwelt.



Sigurd Marien würdigte in seiner Ansprache Leben und Werk des Künstlers. Felix Vallotton wurde 1865 in Lausanne geboren, ging aber schon 1892 nach Paris und studierte wie Friedrich Ludwig an der Academie Julian. In den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts entdeckte er für sich den Holzschnitt, und in der Folge die Farblithografie als eigenständiges künstlerisches Medium. Seine Werke fanden schon früh große Aufmerksamkeit, wurden aber nicht von allen in ihrem avantgardistischen Impuls gewürdigt. Der flächige, impressionistische Stil, die zum Teil willkürlich wirkenden Bildausschnitte und vor allem die von Vallotton aufgegriffenen Themen aus dem Alltagsleben mit ihren drastischen Aussagen lösten immer wieder Befremden aus. In diese Reihe gehören die jetzt im Ludwig-Museum gezeigten Lithografien Crimes et Chatiments (Verbrechen und Strafen). Vallotton hatte immer einen wachen Blick für die Unterdrückten und Unterprivilegierten. In dieser Reihe werden anscheinend banale Szenen dargestellt, die Bilder erinnern zum Teil an Karikaturen. Aber Vallotton offenbart in seinen Holzschnitten und Lithografien einen Humor, dass einem das Lachen vergeht, wie Marien den Kunstkritiker Julius Meier-Graefe zitierte. Auf den Blättern, auf denen Vallotton häufig die Einsätze und Übergriffe der Polizei darstellt, bleibt die Frage, wer hier Verbrechen begeht und wer Strafe verdient, durchaus offen.

Hans Viardot freute sich über die zahlreichen Besucher, die zur Eröffnung dieser außergewöhnlichen Ausstellung gekommen waren, unter ihnen Amtsverweser Jürgen Tiedemann, Ortsvorsteher Heinz Eichin sowie Mitglieder des Wiesleter Ortschaftsrates. Die musikalische Gestaltung der Vernissage übernahm Michael Brogle, der mit Orgelwerken von Bach und Schröder musikalisch den Weg Vallottons in die Moderne nachzeichnete.

Die Félix Vallotton-Ausstellung im Ludwig Museum hat bis Sonntag, 12. April, immer sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.


Bericht: Heiner Fabry; Bild: KUK
 

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